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Alt 01.12.2011, 08:12
posti
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Standard Die Legende von der Erschaffung der Altenpflegerin

Die Legende von der Erschaffung der
Altenpflegerin

Als der liebe Gott die Altenpflegerin schuf,
machte er bereits den sechsten Tag
Überstunden. Da erschien ein Engel und sagte;
„Herr, Ihr bastelt aber lange an dieser
Figur!“

Der liebe Gott antwortete. „Hast du die lange
Liste spezieller Wünsche auf der Bestellung
gesehen? Sie soll als Frau und Mann lieferbar
sein, wartungsfrei und leicht zu
desinfizieren, aber nicht aus Plastik, sie
soll Nerven wie Drahtseile haben und einen
Rücken, auf dem sich alles abladen lässt,
dabei immer so zierlich, dass sie sich in
viel zu kleinen Dienstzimmern Wohlfühlen
kann. Sie muss fünf Dinge zur gleichen Zeit
tun können und soll dabei immer noch eine
Hand frei haben.“

Da schüttelte der Engel den Kopf und sagte;
„Sechs Hände, das wird kaum gehen!“ „Die
Hände machen mir keine Kopfschmerzen“, sagte
der liebe Gott, „aber die drei Paar Augen,
die schon das Standardmodell haben soll: ein
Paar das nachts durch alle Wände sehen
vermag, damit eine Nachtwache zwei Stationen
betreuen kann, ein zweites Paar im
Hinterkopf, mit dem sie sieht, was man vor
ihr verbergen möchte – was sie aber unbedingt
wissen muss – und natürlich das eine hier
vorn, mit dem sie den Heimbewohner ansehen
kann und ihm deutet: Ich verstehe Sie und bin
für Sie da, ohne dass sie ein Wort sprechen
muss.“

Der Engel zupfte ihn leicht am Ärmel und
sagte; „Geht schlafen Herr, und macht morgen
weiter.“ „Ich kann nicht“, sagte der liebe
Gott. „Ich habe bereits geschafft, dass sie
fast nie krank wird, und wenn, dann heilt sie
sich selber. Sie kann begreifen, dass zehn
Doppelzimmer 40 Heimbewohner bedeuten kann,
aber zehn Stellen oft nur fünf
Altenpflegerinnen sind; sie hat Freude an
einem Beruf, der alles fordert und schlecht
bezahlt wird, sie kann mit Schauckelschichten
leben und kommt mit wenigen freien
Wochenenden aus.“

Der Engel ging langsam um das Modell der
Altenpflegerin herum: „Das Material ist zu
weich“, seufzte er. „Aber dafür zäh“,
entgegnete der liebe Gott. „Du glaubst gar
nicht, was es alles aushält!“ „Kann sie
denken?“ – „Nicht nur denken, sondern auch
urteilen und Kompromisse schließen“, sagte
der liebe Gott. Schließlich beugte sich der
Engel vor und fuhr mit dem Finger über die
Wange des Modells. „Da ist ein Leck“, sagt
er: „Ich habe Euch ja gesagt, Ihr versucht
viel zu viel in das Modell hineinzupacken.“ –
„Das ist kein Leck, das ist eine Träne!“ –
„Wofür ist die?“ „Sie fließt bei Freude,
Trauer, Enttäuschung, Schmerz und
Verlassenheit“, sagte der liebe Gott
versonnen, „die Träne, die Träne ist das
Überlaufventil!“
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